Steuerberater-Kanzlei Tool-Stack 2026 — DATEV + DSGVO + § 57 StBerG
Der erprobte Tool-Stack für deutsche Steuerberater-Kanzleien — Solo-StB, 5-Personen-Kanzleien und 15+ Mitarbeiter-Sozietäten. 8 Tools, alle mit DACH-Compliance-Fit für § 57 StBerG (Berufsverschwiegenheit) und § 203 StGB (Strafnorm bei Verletzung). Mit Kostenrechnung pro Kanzlei-Größe und einer klaren Antwort: Was kostet DATEV, was Lexware, was die Privacy-Schicht — und warum diese drei zusammen das Pflicht-Trio sind.
Veröffentlicht 2026-05-22 · Setup-Budget: 280–4.500 EUR/Monat (je nach Größe) · Per-Kopf-Schnitt: 200–350 EUR/Monat
Warum jede StB-Kanzlei 2026 einen explizit kuratierten Stack braucht
Drei Entwicklungen machen den ad-hoc-Stack 2026 untragbar:
- § 57 StBerG + § 203 StGB sind strafrechtlich. Verletzung der Berufsverschwiegenheit kann mit Freiheitsstrafe bis 1 Jahr geahndet werden — und das gilt auch bei fahrlässiger Datenpanne durch ungesicherte US-Cloud-Tools.
- NIS-2-Richtlinie verschärft Cyber-Pflichten ab 2024 für KMU ab 50 Mitarbeitenden oder 10 Mio EUR Umsatz. Für mittlere bis große Sozietäten sind dokumentierte Privacy-Stacks und Audit-Trails Mindeststandards.
- DATEV-Mandanten-Erwartung an digitale Workflows steigt jährlich. Mandanten wollen DATEV-Unternehmen-Online, digitale Belegübergabe, mobile App- Zugriffe. Wer nicht mitzieht, verliert Mandanten an digitalere Kanzleien.
Praktisch bedeutet das: 3 Pflicht-Säulen für jeden StB-Stack:
- DATEV-Kernstack — Mandanten-Buchhaltung + Bilanzerstellung + USt-VA
- Eigene Kanzlei-Buchhaltung + Lohn — Lexware Office (oder Sevdesk Solo)
- Privacy-Schicht — Passwort-Vault, Akten-Vault, Mandanten-CRM, VPN
Plus Optional: eigene Server (Hetzner) für Kanzlei-Website + interne Tools. Per-Kopf-Tool-Investitions-Quote: 6–10 % vom Personalumsatz — typisch in der Branche.
Der vollständige Stack — 8 Bausteine für DACH-StB-Kanzleien
Klick auf jedes Tool für den Detail-Review mit Praxis-Test.
Steuerberater-Kernstack (Pflicht)
DATEV Mittelstand Pro
Das Standard-Werkzeug deutscher StB-Kanzleien. Mandanten-Buchhaltungen, USt-Voranmeldung, Bilanzerstellung, Jahresabschluss, DATEV-Unternehmen-Online für Mandanten-Selfservice. Nicht verhandelbar — 95 % der DACH-Mandanten erwarten DATEV-Format.
Preis: ab 200 EUR/StB-Lizenz + Mandanten-Lizenzen
Detail-Review öffnen →Eigene Kanzlei + Mitarbeiter-Lohn
Lexware Office mit Lohn+Gehalt
Für die eigene Kanzlei-Buchhaltung + Lohnabrechnung der Mitarbeitenden. Die native Lohn+Gehalt-Integration ist produktiver als DATEV-Lohn intern, weil weniger Modul-Hopping. TÜV-zertifiziert, DE-Hosting, AVV in 2 Klicks.
Preis: 16–39 EUR + 4 EUR/Mitarbeitende:r
Detail-Review öffnen →Kanzlei-interne Belege + Honorare
Sevdesk
Optional zusätzlich für interne Honorarverwaltung, eigene Beleg-OCR, USt-Voranmeldung der Kanzlei selbst. Moderne UI + schnelle Mobile-App machen das tägliche Beleg-Scannen produktiv. Sevdesk ergänzt Lexware oder ersetzt es bei reinen Solo-StBs ohne Lohn.
Preis: ab 19 EUR/Mo
Detail-Review öffnen →Mandanten-Verwaltung (DE-only)
CentralStation CRM
Made in Köln, Server Frankfurt, keine US-Subprozessoren — sauberste Wahl für Mandantendaten unter § 57 StBerG. Mandanten-Status, nächste Frist (z. B. USt-VA, Jahresabschluss), Honorarstand, Kontakt-Historie. KEINE Mandantenakten — die gehören in Tresorit oder DATEV-DMS.
Preis: ab 16 EUR/User/Mo
Detail-Review öffnen →Mandantenakten-Vault
Tresorit Business
Schweizer Datenschutz-Jurisdiktion, Zero-Knowledge by default, ISO-27001-zertifiziert. Sensitive Mandantenakten — Erbschaftssachen, Insolvenz, Strafsteuerverteidigung — gehören NICHT ins CRM, sondern in den Vault mit eigener Zugriffs-Kontrolle und Audit-Trail.
Preis: 10,42 EUR/User/Mo
Detail-Review öffnen →Team-Passwort-Vault
NordPass Business
Geteilte Logins (DATEV-Berater-Lizenz, Mandanten-Portals, Lexware, Banking-Portal-Zugänge) sicher im Team-Vault statt in Outlook-Notizen oder Excel-Listen. Audit-Trail für Zugriffe, Zero-Knowledge-Architektur, EU-Server (Litauen).
Preis: ab 2,99 EUR/User/Mo
Detail-Review öffnen →VPN für Homeoffice + Reisen
Surfshark Business
Unlimited Devices für ein gesamtes Kanzlei-Team. Schützt DATEV-Zugriffe und Mandanten-Portal-Logins in öffentlichen WLANs (Café, Hotel, Co-Working). RAM-only-Server (keine persistierten Logs). One-Bundle inklusive Antivirus-Schutz für Mitarbeiter-Notebooks.
Preis: ab 2,49 EUR/Mo (3J)
Detail-Review öffnen →Eigene Server für interne Tools
Hetzner Cloud (optional)
Optional: für die Kanzlei-Website, ein eigenes Mandanten-Portal, einen WireGuard-VPN-Server oder self-hosted n8n-Workflows (z. B. Frist-Erinnerungen automatisieren). Hetzner-DE-Rechenzentrum erfüllt sämtliche § 57 StBerG-Anforderungen.
Preis: ab 4,50 EUR/Mo (CX22)
Detail-Review öffnen →Zwischenfazit: Native Lohnbuchhaltung für die eigene Kanzlei-Lohnabrechnung der Mitarbeitenden. TÜV-zertifiziert, DE-Hosting, AVV in 2 Klicks. Spart Modul-Hopping zwischen DATEV-Berater und DATEV-Lohn intern.
Drei Kanzlei-Profile mit konkretem Setup-Budget
Profil A: Solo-StB (1 Person, 30 Mandanten)
Stack: DATEV Pro Solo (~200 EUR Basis + ~20 EUR pro Mandantenlizenz = ~290 EUR) + Lexware Office S mit 1 Lohn-MA für die eigene Buchhaltung (20 EUR) + Sevdesk Buchhaltung als Backup für Honorarverwaltung (19 EUR) + CentralStation CRM Solo (16 EUR) + Tresorit Solo (Vault für sensitive Akten, 14 EUR) + NordPass Personal (3 EUR) + Surfshark (3 EUR). Gesamt: ~365 EUR/Monat plus DATEV-Mandanten-Lizenzen.
Profil B: 5-Personen-Kanzlei (3 StB-Berater + 2 Mitarbeiter, 80 Mandanten)
Stack: DATEV Mittelstand Pro (3 StB-Lizenzen × ~250 EUR = 750 EUR + ~600 EUR Mandanten-Lizenzen = 1.350 EUR) + Lexware Office M mit 5 Lohn-MA für eigene Lohnabrechnung (42 EUR) + CentralStation Team (5 × 16 EUR = 80 EUR) + Tresorit Business (5 × 10,42 EUR = 52 EUR) + NordPass Business (5 × 3 EUR = 15 EUR) + Surfshark Business (5 × 5 EUR = 25 EUR) + Hetzner CX22 (5 EUR für Website + interne Tools). Gesamt: ~1.569 EUR/Monat = 314 EUR/Kopf. Mandantengeheimnis dokumentiert, keine US-Subprozessoren in der Akten-Kette.
Profil C: 15-Personen-Sozietät (5 StB-Partner + 10 Mitarbeiter, 250 Mandanten)
Stack: DATEV Mittelstand Pro Premium (5 Partner-Lizenzen × ~350 EUR + ~1.500 EUR Mandanten-Lizenzen = ~3.250 EUR) + Lexware Office L (60 EUR mit 15 Lohn-MA) + CentralStation Pro (15 × 25 EUR = 375 EUR) + Tresorit Business (15 × 10,42 EUR = 156 EUR) + NordPass Business (15 × 3 EUR = 45 EUR) + Surfshark Business (15 × 5 EUR = 75 EUR) + Hetzner Dedicated für interne Tools (50 EUR) + externer DATEV-zertifizierter DSB (~500 EUR/Mo). Gesamt: ~4.511 EUR/Monat = 300 EUR/Kopf. ISO-27001-fähig, BAIT-/TISAX-tauglich.
DATEV-Workflow Deep-Dive — was den Kernstack ausmacht
DATEV ist nicht "noch ein Tool" — es ist der Kanzlei-Operating-Layer. Der Workflow umfasst:
1. Mandanten-Buchhaltung — DATEV Unternehmen-Online + DATEV-Auftragsverwaltung
Mandant lädt Belege per App in DATEV-Unternehmen-Online hoch, Kanzlei verbucht in DATEV-Mittelstand, Mandant sieht Auswertungen sofort. Ersetzt klassische Belegmappe-Übergabe. Zeit-Ersparnis Mandant: 60–80 %. Mehraufwand Kanzlei: ~10 Minuten/Monat Mandanten-Onboarding plus Schulung — danach selbstläufig.
2. Bilanzerstellung + Jahresabschluss
DATEV-Anlagenbuchhaltung + DATEV-Anlagespiegel + DATEV-Jahresabschluss zusammen ein integrierter Workflow. Bei Sonderfällen (Umwandlung, Verschmelzung, Spaltung) deutlich produktiver als Standard-Buchhaltungs-Tools, weil DATEV die steuerlichen Spezial-Workflows nativ kennt.
3. USt-Voranmeldung + Steuererklärungs-Submission
DATEV-USt-Voranmeldung mit Direkt-Submission an ELSTER. Plus DATEV-Steuern Profi für die jährliche Einkommensteuer/Körperschaftsteuer/Gewerbesteuer der Mandanten. Hier zahlt sich DATEV-Mittelstand Pro vs. Sevdesk/Lexware aus — die Steuer- Submission ist tiefer integriert.
4. Mandanten-Reporting + Honorarverwaltung
DATEV-Auftragsverwaltung verbindet Mandanten-Honorare mit der Eigen-Buchhaltung. Plus DATEV-Cockpit für Mandanten-Reporting (BWA, Liquiditätsplanung, Kennzahlen). Bei größeren Kanzleien lohnt DATEV-Belegtransfer mit Cloud-Anbindung an Mandanten-Systeme.
§ 57 StBerG + § 203 StGB — Berufsverschwiegenheit in Software-Auswahl
§ 57 StBerG verpflichtet StB zur Verschwiegenheit über alle Mandanten-Angelegenheiten. § 203 StGB stellt die Verletzung dieser Pflicht unter Strafe (bis 1 Jahr Freiheits- strafe oder Geldstrafe). Tool-Auswahl ist hier nicht "nice-to-have-Compliance", sondern strafrechtlich relevant.
Praktische Konsequenz: keine US-Cloud-Tools für Mandantenakten
US-Cloud-Tools (HubSpot, Slack, Notion, Google Workspace, Microsoft 365 mit US-Region, Dropbox, Mailchimp) verstoßen potenziell gegen § 57 StBerG, weil CLOUD Act US-Behörden Zugriff auf gehostete Daten erlauben kann. Bei einer DSB-Audit-Prüfung oder Mandanten-Beschwerde ist dies nicht verteidigbar ohne dokumentierte DSFA pro Datenfluss.
Praktische Konsequenz: AVV + Subprozessoren-Liste sind Pflicht
Pro Tool: AVV-PDF unterzeichnet, Subprozessoren-Liste aktuell, in zentralem Datenschutz-Ordner archiviert. Bei jedem Audit (DSB, Mandantenanfrage, Versicherer) ist dieser Ordner deine Verteidigung. Tools im hier empfohlenen Stack (Sevdesk, Lexware, CentralStation, Tresorit, NordPass) haben AVV in 2 Klicks aus dem Anbieter-Dashboard downloadbar.
Praktische Konsequenz: Mitarbeiter-Schulung halbjährlich
Verschwiegenheitspflicht gilt auch für Mitarbeitende. Praktisch: halbjährliches Datenschutz-Briefing mit Themen-Update (z. B. neue Drittland-Risiken, neue Phishing-Vektoren, neue Tools im Einsatz). Plus schriftliche Verpflichtungs- erklärung pro Mitarbeitendem. Externer DSB liefert diese Workshops als Standard- Service.
Mandanten-Verwaltung-Workflow — wo CRM endet und Vault beginnt
Eine häufige Falle in StB-Kanzleien: CRM und Akten-Vault werden vermischt. Konsequenz: entweder das CRM platzt mit Akten-Volltexten (Performance + Suche leiden), oder sensitive Akten landen im CRM (Datenpannen-Risiko bei Mitarbeiter-Wechsel oder Account-Kompromittierung).
Klare Trennung:
- CRM (CentralStation): "öffentliche" Mandantendaten — Kontakt, Mandanten-Status, nächste Frist (z. B. USt-VA fällig 10. nächster Monat), Honorarstand, letzter Termin. KEINE Akten-Volltexte, KEINE sensitiven Steuerunterlagen.
- Akten-Vault (Tresorit oder DATEV-DMS): Akten-Volltexte, Steuerunterlagen, Korrespondenz, Mandanten-Verträge. Zugriffs-Trail mit Auditor-tauglichen Logs. Bei Mitarbeiter-Wechsel: Vault-Zugang in 30 Sekunden revokt.
- DATEV-Mittelstand: alle buchhaltungsrelevanten Daten — Belege, Konten, Verbuchungen. DATEV ist hier "first source of truth", weil es die direkte Schnittstelle zur USt-Voranmeldung + ELSTER hat.
Dieser 3-Layer-Workflow (CRM | Vault | DATEV) ist die Kanzlei-Architektur 2026. Wer das missachtet, hat entweder Performance-Probleme im CRM oder Compliance-Risiken im Vault.
Reader-Voice — was ich nach 3 Kanzlei-Workshops gerne früher gewusst hätte
Vier Lessons aus Solo-StB- und Sozietäts-Gesprächen, die in Anbieter-Marketing und DStV-Beraterhandbüchern selten so direkt stehen:
Lesson 1: DATEV ist 5–8 Jahre Investition, nicht 12 Monate
DATEV-Mittelstand zu wechseln (z. B. zu Lexware Plus oder Stotax) kostet 60–120 h Migrations-Aufwand pro StB-Berater plus Mandanten-Reonboarding. Bei realistischem StB-Stundensatz ~150 EUR sind das ~10.000–18.000 EUR pro Migration. Daher: bei DATEV bleiben, auch wenn alternative Tools 30 % günstiger wirken. Migration nur bei strukturellem Workflow-Bruch (z. B. Kanzlei-Verkauf, Fusion).
Lesson 2: Lexware Office für die eigene Lohnabrechnung lohnt sich
Viele Kanzleien fahren DATEV für Mandanten + DATEV-Lohn intern für Mitarbeiter- Lohnabrechnung. DATEV-Lohn ist aber Modul-schwer (separate Lizenz, separate UI). Lexware Office mit Lohn+Gehalt kostet ~40 EUR/Mo für 5 Mitarbeitende und hat die produktivere UI fürs eigene Lohn-Setup. DATEV-Format-Output ist kompatibel. Ergebnis: 2–3 h/Monat Zeit-Ersparnis pro Monatsabschluss.
Lesson 3: Mandanten-Vault ist Cyber-Police-Multiplikator
Cyber-Versicherungen für StB-Kanzleien (typische Police 6.000–18.000 EUR/Jahr) fragen seit 2023 explizit nach dem Akten-Vault-Setup. Tresorit Business mit dokumentierten Zugriffs-Trails reduziert die Police-Prämie um 15–25 % gegenüber ad-hoc-OneDrive-Setups. Bei 12.000 EUR Jahresprämie sind das 1.800–3.000 EUR jährlich — der Vault amortisiert sich aus der Versicherungs-Ersparnis allein.
Lesson 4: Privacy-Stack ist Vertriebs-Argument gegenüber Mandanten
Datenschutzaffine Mandanten (Healthcare-Praxen, Anwaltskanzleien selbst, Stiftungen, öffentlicher Sektor) fragen in der Mandanten-Akquise nach: "Wo liegen meine Steuerdaten? Welche Subprozessoren? Welche Drittland-Transfers?" Eine saubere EU-Stack-Antwort ("alle Daten in DATEV-DE-Servern + Tresorit-Schweiz + EU-Tools") gewinnt Mandanten gegenüber Kanzleien, die das vermeiden. Vertriebsvorteil-Gewinn realistisch: 1–3 zusätzliche Mandanten pro Jahr = 8.000–25.000 EUR zusätzlicher Jahresumsatz.
Zwischenfazit: Schweizer Zero-Knowledge-Vault für Mandantenakten. ISO-27001-zertifiziert, BAIT-tauglich, AVV in 2 Klicks. Cyber-Police-Prämien-Multiplikator bei dokumentierten Zugriffs-Trails.
Häufige Fehler beim StB-Kanzlei-Stack-Aufbau
- Mandantenakten im E-Mail-Postfach. Der häufigste DSB-Audit- Befund: Mandanten-Anhänge bleiben jahrelang im Outlook/Gmail-Postfach. Strict- Workflow: Akte aus E-Mail in 24h in den Vault verschieben, E-Mail-Original löschen oder verschlüsseln. Outlook-Add-on für Tresorit automatisiert das.
- Mandanten-Stamm im Outlook-Adressbuch statt CRM. Outlook- Adressbuch ist nicht audit-tauglich, nicht zugriffs-kontrolliert, nicht verschlüsselt. CentralStation oder DATEV-Auftragsverwaltung als CRM-of-Record, Outlook nur als Mailing-Tool.
- US-Tools mit "EU-Region" für sensitive Daten. Microsoft 365 EU-Tenant, AWS Frankfurt, Google Cloud EU — der Server steht in der EU, der Eigentümer ist US-Konzern. CLOUD Act bleibt anwendbar. Bei sensitiven Mandanten- daten (Erbschafts-, Insolvenz-, Strafsteuersachen) ist diese Lösung nicht verteidigbar.
- Mitarbeiter-Schulung als 1-malige Einarbeitung. Berufsverschwiegenheit ist kontinuierliche Pflicht, nicht 1-malige Onboarding-Aufgabe. Halbjährliches Briefing + Phishing-Test + Vault-Audit sind Mindeststandards. Externer DSB liefert das als Standard-Service.
- Backup-Strategie nicht 3-2-1-konform. 10-Jahres-GoBD-Auf- bewahrungspflicht plus Berufsverschwiegenheit verlangen redundante Backups. 3-2-1: 3 Kopien, 2 unterschiedliche Medien, 1 off-site (Hetzner-Backup, Tresorit- Vault, lokales NAS). Bei Datenpanne ist das die Rekonstruktions-Grundlage.
FAQ — die 7 häufigsten Fragen zum StB-Kanzlei-Stack
Was kostet ein vollständiger StB-Kanzlei-Stack 2026?
Solo-StB: 280–450 EUR/Monat (DATEV Pro Solo, Lexware Office mit Lohn, NordPass, Tresorit Solo, Surfshark, VPN). 5-Personen-Kanzlei: 1.100–1.600 EUR/Mo. 15-Personen-Sozietät: 3.000–4.500 EUR/Mo. Per-Kopf-Schnitt: 200–350 EUR/Mo — typisch in der Branche. Der DATEV-Anteil ist 40–60 % der Tool-Kosten, der Privacy-/Compliance-Stack 30–40 %, der Rest (CRM, Kollaboration, VPN) 10–20 %.
Brauche ich DATEV oder reicht Sevdesk/Lexware Office?
Als StB-Kanzlei brauchst du DATEV — das ist nicht verhandelbar, weil 95 % deiner Mandanten ihre Buchhaltung in DATEV-kompatiblem Format erwarten (z. B. von ihren eigenen Sevdesk-/Lexware-Tools). Sevdesk und Lexware Office sind ergänzend für deine eigene Kanzlei-Buchhaltung (interne Rechnungen, Lohnabrechnung Mitarbeiter, Honorarverwaltung). DATEV Mittelstand Pro mit DATEV-Unternehmen-Online ist der Kanzlei-Kernstack. Lexware Office mit Lohn+Gehalt ist für die eigene Lohnabrechnung der Mitarbeitenden produktiver als DATEV-Lohn intern.
Welche CRM-Lösung passt für StB-Kanzleien mit § 57 StBerG?
CentralStation CRM (DE-only, Köln, Server Frankfurt) ist die saubere Standard-Wahl — keine US-Subprozessoren in der Mandantendaten-Kette. Pipedrive mit EU-Region-Hosting ist Alternative. HubSpot ist trotz EU-Region opt-in problematisch wegen US-Konzernmutter und CLOUD Act — bei Berufsverschwiegenheit besser meiden. Wichtig: das CRM enthält nur 'öffentliche' Mandantendaten (Kontakt, Status, nächste Frist). Mandantenakten selbst gehören in Tresorit oder DATEV-DMS — nicht ins CRM.
Wie organisiere ich Mandantenakten verschlüsselt?
Drei Optionen: (1) DATEV DMS classic oder DATEV Anwendungs-Bibliothek — die Standardlösung mit DATEV-Integration, aber teuer (ab 60 EUR/User/Mo). (2) Tresorit Business mit AVV — Schweizer Jurisdiktion, Zero-Knowledge by default, ISO-27001-zertifiziert. (3) pCloud Crypto für Solo-StB mit kleinerem Volumen. Für 5+ Mitarbeitende-Kanzleien: Tresorit ist die preis-/leistungsstärkste Lösung mit der saubersten DSGVO + § 57 StBerG-Story.
Sind US-Tools für StB-Kanzleien überhaupt zulässig?
Eingeschränkt. § 57 StBerG (Berufsverschwiegenheit) plus § 203 StGB (Strafnorm bei Verletzung) erlauben US-Tools nur, wenn dokumentierte technische Maßnahmen den Drittlandtransfer-Schutz gewährleisten. Praktisch bedeutet das: AVV + SCC + DSFA + Mandantenzustimmung pro Datenfluss. Bei sensitiven Mandantendaten (z. B. Erbschafts-, Insolvenz-, Strafsteuersachen) sind US-Tools de-facto ausgeschlossen. Saubere Lösung: EU-/Schweizer Tools (CentralStation, Sevdesk, Lexware, Tresorit, NordPass), wo die DSFA-Frage entfällt.
Lohnt sich ein DATEV-zertifizierter externer DSB?
Ab 20 Mitarbeitenden ist DSB Pflicht (DSGVO Art. 37 + BDSG § 38). Ab 5+ Mitarbeitenden in regulierten Branchen (StB-Kanzlei zählt) wird DSB faktisch erwartet, auch wenn nicht Pflicht. Externer DSB mit DATEV-Erfahrung kostet 300–800 EUR/Monat — die spezialisierte Branchenkenntnis spart bei Audit-Vorbereitungen und Mandanten-Anfragen erheblich Zeit. Bei 15+ Mitarbeitenden lohnt interner DSB (~80.000 EUR/Jahr, dafür volle Verfügbarkeit + spezifisches Kanzlei-Wissen).
Welche VPN für Kanzlei-Remote-Workflows?
Surfshark Business oder NordVPN Teams für allgemeines Login-Hygiene-VPN bei Mitarbeitenden im Homeoffice. Für Site-zu-Site oder Mandanten-Server-Zugriff (z. B. wenn Mandanten interne Buchhaltungs-Systeme bereitstellen): WireGuard self-hosted auf Hetzner-Server, oder Tailscale. Plus: VPN ersetzt nicht den Privacy-Stack — die Tools müssen unabhängig vom Transport-Layer Zero-Knowledge sein. Auch im VPN-Tunnel bleibt ein US-CRM ein US-CRM.
Finale Empfehlung — der 3-Schritt-Schnellstart für jede StB-Kanzlei
Wenn du heute drei Tools für deine Kanzlei aktivierst, dann diese — alle DSGVO + § 57 StBerG-konform und in 1–2 Tagen produktiv:
1. Lexware Office mit Lohn — eigene Kanzlei + MA-Lohn
Native Lohn+Gehalt-Integration für die Mitarbeiter-Lohnabrechnung der Kanzlei. TÜV-zertifiziert, DE-Hosting, DATEV-Format-Output.
Lexware Office testen2. CentralStation CRM — Mandanten-Verwaltung
Made in Köln, Server Frankfurt, keine US-Subprozessoren — sauberste Wahl für Mandantendaten unter § 57 StBerG.
CentralStation testen3. Tresorit Business — Mandantenakten-Vault
Schweizer Zero-Knowledge-Vault für sensitive Akten. ISO-27001-zertifiziert, Cyber-Police-Multiplikator.
Tresorit Test öffnen →Plus: DATEV-Mittelstand für den Kanzlei-Kernstack bleibt unverhandelbar. Die anderen 4 Bausteine (NordPass, Surfshark, Sevdesk, Hetzner) ergänzt du nach Kanzlei-Größe — Details in den Reviews.